Eines schönen Tages betraten 2 Kinder irgendwo in Bayern den Herrenbereich eines Friseursalons. Die Haare der beiden augenscheinlichen Jungen waren schulterlang und Hellbraun, fast schon Blond, aber ungestuft. Der Name des kleinen Jungen war Axel, doch jener des größeren Jungen bleibt vorerst unbenannt.
Der Inhaber des Salons, Josef Haberkorn, dachte sich: >Der Kleine dürfte so 4 oder 5 Jahre alt sein, während der Größere vielleicht um die 10 Jahre alt sein könnte.<
„Wer will zuerst?“, fragte er. Axel stand auf und reichte ihm einen Zettel, auf dem in der Handschrift eines Erwachsenen stand: ‚6-mm-Stiftenkopf, Seiten- und Nackenhaare komplett maschinenrasiert.‘ Weiter unten stand eine Telefonnummer, welche Herr Haberkorn allerdings überging.
Nachdem er den Kleinen vorbereitet hatte, fragte Josef: „Weißt du - “ Doch bevor er seinen Satz beenden konnte, sagte Axel fröhlich: „Es wird fast alles abrasiert, sodass ich im Sommer keine Probleme habe.“ Herr Haberkorn nickte zustimmend, aber ihm fiel nicht auf, dass die Person im Wartebereich leicht rot geworden war und eine radikale Entscheidung getroffen hatte.
Der größere der beiden Jungen schaute interessiert zu, wie seinem Bruder die Seiten- und Nackenhaare auf 0,3 mm abgeschoren wurden. Als Josef Haberkorn damit fertig war, nahm er einen anderen Clipper mit einem Abstandshalter darauf und schaltete ihn ein.
Für den Oberkopf brauchte er einige Zeit, da dort das Haar sehr dicht war. Zum Schluss schnitt Herr Haberkorn noch einen perfekten Übergang mit Kamm und Schere. Danach erlöste er seinen Kunden und Axel sagte strahlend: „Vielen Dank.“
Während Axel in den Wartebereich zurückging, sah sein großer Bruder ihn lächelnd, aber streng, an. Axel verstand sofort und flüsterte in sein Ohr „okay."
Dann kam das erwartete „der Nächste bitte", woraufhin der große Junge aufstand und sich in den Bedienstuhl setzte, für den er schon groß genug war. Auf die Frage „das Gleiche?“ konnte der Junge nur nicken, da ihm ein Kloß im Hals steckte. Der Friseur sagte freundlich zu ihr: „Versuch einfach, den Kloß hinunter zu schlucken.“ Der Junge nickte und auf einmal gelang es ihm auch.
Nachdem Umhang und Halskrause umgelegt waren, fragte Herr Haberkorn: „Kann ich loslegen?“ Der Junge nickte erneut und neigte den Kopf nach vorne.
Nach der ersten Bahn lief dem Jungen ein kalter Schauer den Rücken hinunter, und nachdem Herr Haberkorn die zweite Bahn geschoren hatte, konnte der Junge seine Gefühle nicht mehr kontrollieren. Denn plötzlich sagte er, und Herr Haberkorn fiel aus allen Wolken, als er die Stimme des Kunden hörte: „Ich weiß, dass Sie weitermachen müssen, aber können Sie kurz unterbrechen?"
Ob dieser Mädchenstimme war Josef leicht geschockt, hörte auf und fragte dann: „Aber, du bist ja ein Mädchen. Wie darf ich dich nennen?" „Mein Name ist Doris Gollwitzer, und mein Bruder heißt Axel", erwiderte sie. Josef fragte erneut: „Nun muss ich dich fragen, wie alt du bist?“ „Vor kurzem bin ich 10 geworden“, kam die Antwort. Doris bemerkte, dass Herr Haberkorn merklich aufatmete, daher fragte sie: „Warum atmen Sie auf?“ „Weil ich jetzt weitermachen kann, ohne eine Strafanzeige zu riskieren“, antwortete er.
Inzwischen war Axel nach vorne gekommen und fragte seine Schwester: „Hast du deinen Zettel schon gelesen?“ „Nein“, war die erstaunte Antwort von Doris. „Dann würde ich es mal tun, große Schwester“, sagte er strahlend. Doris stand auf, zog ein Kuvert aus der Tasche und öffnete es. Darin sind ein paar Geldscheine und ein großer zusammengefalteter Zettel. Diesen machte sie auf, las einmal, dann noch einmal und schüttelte schließlich ungläubig den Kopf. Dann reichte Doris den Zettel dem Friseur und sagte: "Bitte lesen Sie das laut vor, sonst glaube ich es nicht.“
Er nahm den Zettel und las laut vor:
‚Liebe Doris, unsere geliebte Tochter,
wie wir aus sicherer Quelle erfahren haben, hast du dich in die Stiftenköpfe deiner Klassenkameradinnen verguckt . Bei den beiden war es eine erzieherische Maßnahme, welche wir nicht näher erläutern wollen.
Es ist dir freigestellt, ob du denen Gesellschaft leisten willst oder auch nicht. Auch Partnerlook mit deinem kleinen Bruder ist dir erlaubt.
Nochmals alles Gute zu deinem 10. Geburtstag.
In Liebe
Deine Eltern‘
Damit gab Josef ihr den Zettel zurück und Doris setzte sich wieder in den Bedienstuhl. Axel hatte sich wieder in den Wartebereich gesetzt, als zwei Mädchen mit herausgewachsenen Stiftenköpfen den Herrenbereich betraten. Doris warf Axel einen Blick zu und er versteht.
„Hallo, Ihr beiden“, begrüßte der Friseur Annegret und Franziska, „Eure Mütter haben schon angerufen, ich weiß also Bescheid.“
„Was wird bei dir gemacht, Doris?“, fragte die rothaarige Franziska. „Partnerlook mit meinem kleinen Bruder Axel , der neben dir sitzt“, antwortete sie. „Das ist nicht dein Ernst“, sagte die blonde Annegret. „Doch“ erwiderte Doris, „wenn Ihr beiden in der Schule mit einem kurzen Stiftenkopf auftaucht und nicht ausgelacht werdet , dann dürfte das auch bei mir der Fall sein; und warum dann nicht noch einen Schritt weitergehen?“
Inzwischen hatte der Friseur den Hinterkopf und die Seiten bis zum Oberkopf auf nahezu 0 mm mit dem großen roten Clipper geschoren. Josef sagte zu Doris: „Da deine Haare sehr dicht sind, muss ich diese zunächst auf eine bearbeitbare Länge reduzieren, um den endgültigen Haarschnitt herstellen zu können. Willst du auch 6 mm oder soll ich noch etwas kürzer gehen?“ „Genauso wie Axel“, sagte sie, einer plötzlichen Eingebung folgend.
Franziska und Annegret standen auf und sagen: „Wir kommen gleich wieder.“ Nach 5 Minuten waren sie wieder da. Inzwischen hatte der Friseur die Oberkopfhaare von Doris auf 2 cm reduziert. Nun konnte er zu dem Clipper greifen, den er vorher auch schon bei Axel verwendet hatte.
Auch bei Doris wurden die Übergänge exzellent. Dann sagte Josef: „Nun muss ich dir noch den Nacken ausrasieren, dann bist du fertig.“ Nachdem dies erledigt war, konnte Doris sich im Spiegel bewundern.
Zum Dank gab sie ihm einen Kuss auf die Wange. Als die Geschwister dann an der Kasse standen, sagte Josef: „Da du vor kurzem Geburtstag hattest, brauchst du nur die Hälfte bezahlen, dies wären dann 12.50 DM.“ Doris zählte 15 DM ab und übergab ihm das Geld. „Stimmt so, für ihre exzellente Arbeit. Leider kann ich nur noch bis zu den Schulferien kommen, dann ziehen wir in die Nähe von Oberammergau um, weil mein Vater an eine der dortigen Schulen versetzt wird.“
Als Annegret und Franziska dies hörten, riefen beide: „Doris, bitte warte noch. Wir brauchen deine Hilfe“.
Sie fragte beide, um was es geht, und Franziska erklärte: „Um Partnerlook mit dir . Wir sind nämlich der Meinung, dass 3 Mädchen zusammen die Hänseleien besser ertragen als eines allein.“ Franziska wandte sich an den Friseur und sagte: „Würden Sie bitte meine Mutter anrufen und, soweit ich weiß, sollte auch Annegrets Mutter anwesend sein.“
Der Friseur nickte und wählte die Nummer. Am anderen Ende meldete sich eine weibliche Stimme: „Wagner.“ Josef erwiderte: „Friseur Haberkorn. Augenblick, ich übergebe.“ Franziska nahm den Hörer in die Hand und sprach.
F: „Mama meine Klassenkameradin Doris hat sich gerade eine extrem kurze Frisur verpassen lassen. Und da wollte ich dich fragen, ob ich das auch darf.“
W: „Wie, extrem kurz. Kannst du das bitte näher erläutern?“.
F: „Der Oberkopf ist 6 mm lang, alles andere wird mit dem Clipper komplett auf 0 mm reduziert.“
Aus dem Hörer war ein tiefes Schnaufen und eine murmelnde Stimme im Hintergrund zu hören, dann sprach die weibliche Stimme erneut.
W: „Gib mir bitte den Herrn Haberkorn.“
H: „Ja, ich höre.“
W: „Also Annegrets Mutter und ich sind einverstanden. Hoffentlich bekomme ich keinen zu großen Schock.“
H: „Vielen Dank und auf Wiederhören.“
Josef legte den Hörer auf, drehte sich zu Doris und fragte: „Willst du zuschauen, während ich Euch zu Drillingen mache?“ Doris nickte: „Ja, liebend gern.“ Er fragte: „Wer will zuerst?“ Annegret stand auf und sagte: „Ich bin die Erste." Leider muss sie sich auf den Hochstuhl setzen, da der normale Bedienstuhl noch zu groß für Annegret ist.
Nachdem Josef sie vorbereitet hatte, fragte er scherzhaft: „Nun, junge Dame, was kann ich für Sie tun?“ „Bitte genauso wie bei Doris“, antwortete die Kleine lächelnd, aber mit einer Träne im Auge.
Er griff zu seinem großen Clipper und nach wenigen Minuten hatte er die Haare auf Annegrets Kopf auf Sandpapiergefühl reduziert. Übrig blieb der Oberkopf, der sogleich mit dem anderen Clipper auf die geforderten 6 mm geschoren wird. Doris konnte bei Annegret am Oberkopf eine mittlere bis starke Resonanz erkennen. >Hoffentlich reagiert Franziska nicht noch stärker als ich<, dachte sie.
Nachdem Herr Haberkorn die Seiten angeglichen und den Nacken ausrasiert hatte, bekam er auch von Annegret ein Küsschen auf die Wange. Nachdem die Kleine bezahlt hatte, ging sie in den Wartebereich zurück.
Nachdem der Boden wieder gereinigt war, drehte er sich lächelnd zu Franziska um und sagte: „Darf ich bitten, junge Dame?“ Franziska stand auf und nahm lächelnd im großen Bedienstuhl Platz. Plötzlich drehte sie sich um, sieht Josef ernst an und sagte: „Herr Haberkorn, ich wollte Sie fragen, ob es einen Scherkopf für diese Maschine gibt, welcher noch kürzer scheren kann?“ Er sah lächelnd in die Runde und sagte: „Ab sofort dürft Ihr mich mit meinem Vornamen anreden, welcher Josef ist.
Und nun zu deiner Frage Franziska. Es gibt Scherköpfe, welche noch kürzer scheren können, und ich habe auch einen davon hier. Doch aufgrund deines Alters darfst du diesen Wunsch noch nicht äußern Das ist alles, was ich jetzt zu diesem Thema sagen will.“
Als er sie mit Halskrause und Umhang vorbereitet hatte, fragte Josef: „Okay, kann ich loslegen?“ Genau wie Doris nickte Franziska nur, weil sie einen Kloß im Hals hatte, welchen das Mädchen nicht hinunterschlucken konnte. Josef bemerkte es und sagte: „Versuch erst mal, deinen Kloß hinunterzuschlucken. Ich warte solange, bis du es geschafft hast.“ Beim zweiten Versuch gelang es Franziska.
Sie neigte ihren Kopf weit nach vorne, sodass er ihren Hinterkopf scheren kann. Franziska ergeht es genauso wie Doris, daher muss sie nach der zweiten Bahn Josef bitten, einmal kurz zu unterbrechen. In dieser kurzen Pause fragte Franziska: „Josef, können Sie mir den Oberkopf auch auf 5 mm scheren?“
Herr Haberkorn erwiderte: „Lass dich überraschen.“ Dann fuhr er mit der Schur des Hinterkopfs und der Seiten fort. Als Josef damit fertig war, nahm er den anderen Clipper, entfernte jedoch den Abstandshalter, ergriff einen anderen und zeigte ihn Franziska. Als sie diesen angesehen hatte, nickte Franziska zustimmend und grinste nur breit.
Josef ölte den Clipper, steckte den Abstandshalter auf und sah fragend in ihr Gesicht, doch Franziska nickte nur lächelnd. Auf die Frage von Doris „Warum?“ sagte Josef nur: „Doppelt genäht hält besser." Dann begann er, langsam aber stetig Franziskas Oberkopf auf 5 mm zu reduzieren.
Nach den Abschlussarbeiten bekam er auch von Franziska das obligatorische Küsschen auf die Wange, doch dieses Mal wurde er leicht rot. Nachdem Franziska bezahlt hatte, eröffnete Josef den vier Kindern: „Also, hört mal zu. Ich habe für Euch alle am ersten Montag im Juli, um 15.00 Uhr, für einen sogenannten "Modellnachmittag" eingeplant. Fragt aber erst zuhause, ob Ihr auch teilnehmen dürft.“ Freudestrahlend gingen die Vier getrennt nach Hause, wo die Kinder verschiedene Reaktionen erwarteten.
Da ich auf die Genehmigung von Doris‘ Eltern (die beiden heißen Dirk und Hedwig Gollwitzer) schon eingegangen bin, möchte ich zunächst auf die Ereignisse im Wagner-Haus schildern.
Ilse Wagner war zwar reserviert, aber dann doch hellauf begeistert vom neuen Look ihrer Tochter.
Franziska erzählte: „Als wir den Herrenbereich betraten, saß Doris schon im Bedienstuhl und ich fragte sie, was bei ihr gemacht wird? Sie antwortete mir >Partnerlook mit meinem kleinen Bruder, der neben dir sitzt.< Daraufhin fragte Annegret >Das kann nicht dein Ernst sein.< Doch Doris antwortete >Wenn Ihr beiden in der Schule mit einem kurzen Stiftenkopf auftaucht und nicht ausgelacht werdet, dann dürfte das auch bei mir der Fall sein und warum dann nicht noch einen Schritt weitergehen?
Als die endgültige Oberkopflänge feststand, sagten wir beide >wir kommen gleich wieder<. Wir waren uns einig, dass wir Doris nichts von unserer Strafe erzählen würden, aber unbedingt Partnerlook mit ihr haben wollten. Als wir dann hörten, dass sie nicht mehr lange hier sein würde, riefen wir beide >Doris, wir brauchen deine Hilfe<. Sie fragte uns, um was es ginge. Wir antworteten >Um Partnerlook mit dir. Wir sind nämlich der Meinung, dass 3 Mädchen die Hänseleien besser ertragen als eines allein.<
Daraufhin bat ich Herrn Haberkorn, oder wie wir ihn jetzt nennen dürfen, Josef, dich anzurufen.
Ilse warf ein: „Und das rechne ich dir sehr hoch an. Eine so radikale Entscheidung zu treffen und dann noch dazu zustehen, mit allem Wenn und Aber, wird dir bestimmt nicht leicht gefallen sein.“
Franziska nickte: „Ja, das stimmt. Aber bevor Josef begann, habe ich ihn gefragt, ob es einen Scherkopf gibt, welcher noch kürzer scheren kann. Er sagte, dass es einen Solchen gibt und er auch einen habe, ich aber den Wunsch nicht äußern dürfe. Als wir dann gingen hat er uns mitgeteilt, dass er uns für einen Modellnachmittag am ersten Montag im Juli, um 15:00 Uhr, eingeplant hat.
Daher wollte ich dich erstens fragen, ob ich daran teilnehmen darf und dich zweitens bitten, mich an diesem Tag zu begleiten, um einer Bitte, die ich dann aussprechen werde, zuzustimmen oder abzulehnen. Außerdem haben Annegret und ich beschlossen, diesen Look bis zum Ende des nächsten Schuljahres beizubehalten. Außerdem erwäge ich ernstlich, diesen Beruf eines Tages zu ergreifen.“
Die Reaktion von Annegrets Mutter, Gudrun Achthuber, die ihr blondes Haar in einem kurzen Pixie trug, war erheblich heftiger, weil sie meinte, der Friseur hätte ihre Tochter an Großteilen des Kopfes vollkommen kahlgeschoren, und sagte ihr dies auch.
Doch Annegret sagte zu ihrer Mutter: „Mama, es ist bestimmt nicht die richtige Zeit, den Friseur, den ich inzwischen mit Josef anreden darf, an den Pranger zu stellen. Du hattest damals keine Gewissensbisse, als du angeordnet hast, meine hüftlange hellblonde Mähne zu einem kurzen Stiftenkopf zu scheren.
Außerdem würde es nach meiner nächsten Bestrafung so aussehen, als hätte ich eine Glatze. Ob ich in der Lage gewesen wäre, diesen Schock zu überwinden, weiß ich nicht. Josef hat mir gesagt, dass du seine Arbeit wahrscheinlich kritisieren würdest. Er sagte mir, er könne diesen Bereich auch etwas länger lassen, sodass ich nicht allzu sehr auffallen werde.
Allerdings glaube ich nicht, dass wir gehänselt werden. Dann möchte ich dir noch mitteilen, dass ich mit Franziska beschlossen habe, diesen Look bis zum Ende des nächsten Schuljahres beizubehalten. In der Schule gab es eine positive Bemerkung (von einem Lehrer, der zu Annegret sagte, dass er ihr so viel Mut nie zugetraut hätte), aber keine negativen Bemerkungen.“
Die Väter waren hin und weg angesichts des neuen Looks ihrer Töchter. Auf deren Betreiben wurde beschlossen, dass eine Bestrafung nicht wirksam werden würde.
Und nun wurde es langsam Zeit für den Modellnachmittag, an dem auch Ilse Wagner beteiligt sein würde.
Als die fünf den Salon betraten, begrüßte Ilse, ihre rotbraunen Haare waren in einen kinnlangen Bob mit Undercut geschnitten, Josef und fragte vorsichtig, ob sie ihn auch mit Josef ansprechen dürfe. Er nickte mit dem Kopf und sagte: „Duzen dürfen Sie mich auch.“ „Dann biete ich Dir das Gleiche an. Ich heiße Ilse“, erwiderte Frau Wagner.
Dann drehte er sich zu den Kindern und sagte: „Auch Euch erlaube ich das Gleiche. Ihr dürft mich jederzeit mit Onkel Josef anreden.“ Daraufhin sagten vier Kinderstimmen: „Vielen, vielen Dank, Onkel Josef“.
Jetzt ging Franziska zu ihrer Mama und sagte: „Ich habe dir von dem Scherkopf erzählt und wollte heute fragen, ob er ihn an mir benutzen darf; außerdem solltest du Doris und Axel eine kleine Geschichte erzählen.“
Ilse sah zu Annegret, und da diese nickte bat Ilse: „Josef, würdest du dich bitte dazusetzen.“ Er nickte und tat es.
Ilse holte tief Luft und begann, folgendes zu erzählen:
„Anfang Mai hatten meine Tochter Franziska und deren Freundin Annegret, im Folgenden Franzi und Gretl genannt, bei mehreren Schularbeiten eine sehr schlechte Note nach Hause gebracht. Wir beschlossen, die beiden sehr hart zu bestrafen. Unsere Ehemänner waren mit der Bestrafung einverstanden, erfuhren aber erst am Abend davor, wie die beiden Mädchen am nächsten Tag aussehen würden.
An diesem Tag hatten sie keine Hausaufgaben zu machen, sodass wir die Mädchen gleich hierher schickten. Wir sagten ihnen, dass sie sich in den Herrenbereich zu setzen hätten und dass der Friseur Bescheid wisse.“
Franziska warf ein: „Wir waren sehr froh, dass keine andere Kundschaft anwesend war, allerdings war Gretl die erste, die ihre hüftlange Mähne verlieren würde.“
„Josef, erzählst du bitte weiter“, bat Ilse. Josef nickte und fuhr fort: „Zunächst war ich sehr überrascht, dass nur sehr wenig Tränen vergossen wurden, nachdem die Mädchen erfahren hatten, was auf sie zukam. Die Mädchen sagten mir, dass sie eigentlich auf einen sehr kurzen Pixie gehofft hatten, lächelten aber leicht, als sie den Salon verließen. Ilse, du bist wieder dran“.
Ilse erzählte weiter: „Als die beiden wieder zuhause waren, wurde ihnen eröffnet, dass es bei der nächsten schlechten Note erheblich extremer werden würde. Auf die Frage nach dem „Wie“ zeigten wir den beiden ein Bild aus einer Zeitschrift.“
Doris fragte dazwischen: „Onkel Josef, gibt es einen Namen für diesen Haarschnitt, welcher den beiden bevorstand?“ Josef nickte: „Die Bezeichnung für diesen Haarschnitt ist High & Tight und kommt aus dem amerikanischen Sprachraum. Er ist der Standard für dortige Militärschulen und auch für die Soldaten. Für weibliche Kunden ist dies meine absolute Grenze, kürzer bekommt es hier keine.“ Doris sagte „Vielen Dank für die Auskunft“ und blickte zu Ilse.
Die Frau verstand und fuhr fort: „Den beiden wurde aber auch mitgeteilt, dass sie bei einer Note von 1 oder 2 jeweils 3 mm an Länge hinzugewinnen würden. Und nun zu deiner ersten Bitte, Franzi. Dein Vater und ich haben beschlossen, dass du immer nur an jeweils einer Kopfpartie kürzer werden darfst, nicht an allen gleichzeitig. Die maximale Kürze auf deinem Oberkopf darf 4,5 mm nicht unterschreiten.
Bei einer Bestrafung wirst du an den Seiten und am Hinterkopf für 1 Woche täglich vollkommen glattrasiert. Das ist alles, was ich zu erzählen bereit bin.“
Doris fragte nun vorsichtig: „Warum musste es so extrem sein? Gab es keinen anderen Weg, um die beiden zu maßregeln?“ Ilse erwiderte: „Nun ja, Doris, diese Entscheidung ist uns wahrlich nicht leichtgefallen, das kannst du mir glauben. Aber nachdem wir alle Register gezogen hatten, vom Fernsehverbot über Stubenarrest bis zur Kürzung des Taschengeldes, blieben die Verbesserungen der beiden aus. Auch ist uns aufgefallen, dass Franzi und Gretl viel Zeit damit verbrachten, ihre Haare ausgiebigst zu pflegen.
Eigentlich wäre das auch kein Problem, aber wenn die schulischen Leistungen darunter leiden, blieb uns nur, uns wie die Leiter eines Internats zu verhalten. Und was nicht mehr da ist, kann auch nicht mehr gepflegt werden. Franzi, glaube mir, es tat auch mir in der Seele weh, diesen Schritt zu gehen, aber du hast mir bzw. uns keine andere Wahl gelassen.“
Josef stand auf und fragte lächelnd: „Mit wem soll ich beginnen? Franziska stand auf und sagte: „Wir haben folgende Reihenfolge ausgemacht: Erst ich, dann Gretl, anschließend Doris und zum Schluss Axel.“ Während sie dies sagte, ging Franziska zum Bedienstuhl und setzte sich hinein.
Als sie wieder aufstand, sieht Franziska aus, als ob der Kopf rot angestrichen worden wäre. Ilse umarmte ihre Tochter und drückte Josef einen 20-DM-Schein in die Hand, während Ilse sagte: „Und diesen behältst du, Josef. Doch ich kann einfach nicht glauben, dass ein Mädchen mit solch kurzen Haaren so schön aussehen kann.“
Alle anderen wurden nur aufgefrischt, und als alle fertig waren, sagte Josef: „Doris, für deinen Abschlussbesuch mache ich nochmal an einem Montagnachmittag auf.“
Als der Abschlussbesuch kurz bevor steht, bittet Doris ihre Mutter um eine Aussprache, dabei sagte sie: „Mama, als Onkel Josef beim ersten Mal meinen Hinterkopf schor, lief mir ein kalter Schauer den Rücken hinunter, und nach der zweiten Bahn musste ich mich ihm als Mädchen zu erkennen geben. Er fragte mich nach meinem Namen und Alter, und als ich es ihm sagte, merkte ich, dass ihm ein Stein vom Herzen fiel. Nun möchte ich wissen warum?“
Hedwig überlegte lange und sagte dann: „Meine liebe Tochter, damals hat dein Körper so viel Endorphin produziert, dass du dich nicht selber kontrollieren konntest. Endorphin ist auch als Glückshormon bekannt und als du die Maschine im Nacken spürtest, hat dieses Endorphin einen Reflex ausgelöst, welcher dir einen Schauer über den Rücken geschickt hat.
Und was deinen Onkel Josef betrifft, so muss ich dir sagen, dass es einer der Grundsätze der Friseure ist, dass Kinder unter 10 Jahren nur mit schriftlicher Genehmigung oder in Anwesenheit eines Erziehungsberechtigten behandelt werden können.
Ein anderer Grundsatz ist, dass chemische Behandlungen erst ab einem Alter von 14 Jahren durchgeführt werden. Allerdings spüre ich, dass du noch etwas auf dem Herzen hast. Habe ich recht?“
Doris nickte: „Ja, aber dazu sollten wir Axel herholen, denn ihn betrifft es auch.“ Doris rief: „Axel, kommst du mal?“ Kurze Zeit später kam er und fragte: „Was willst du, große Schwester?“ Doris antwortete: „Kleiner Bruder, wie du weißt, sind wir am kommenden Montag das letzte Mal bei Onkel Josef. Deshalb wollte ich dich bitten, noch etwas kürzer als damals zu gehen.“ Axel erwiderte: „Große Schwester, solange ich noch Haare auf dem Kopf habe, ist mir meine Frisur egal.“
Hedwig sagte: „Aber ich werde Josef sagen, wie seine Haare geschnitten werden sollen. Und dir, meine liebe Tochter, werde ich die ganze Geschichte erst erzählen , wenn wir in unserem neuen Zuhause sind.“
Als am darauf folgenden Montagnachmittag Josef seine Lieblinge einließ, war eine Frau dabei, die ihm bekannt vorkam, welche er aber nicht einordnen konnte. Josef sah sie fragend an und die Frau sagte: „Josef, es ist viel zu lange her, als dass du mich erkennen würdest. Wir sind uns nur zweimal begegnet, und dabei haben wir uns nur kurz gesehen. Einmal war es im Fachmarkt Reitinger und dann kurz vor Eurer Hochzeit, um Janine Alles Gute für ihren weiteren Lebensweg zu wünschen. Außerdem soll ich dir von Doreen bestellen, dass es das Recht von Niemandem ist, einem Glück im Wege zu stehen.“
Josef erwiderte: „Und von mir kannst du ihr bestellen, dass ich Doreen schon bei der Hochzeit vergeben hatte, liebe Hedwig.“ Dann rief er: „Janine, kommst du mal?“ Die Gerufene kam angerannt, als ob es brennen würde. Als Janine die Frau sah, sagt sie nur: „Hedwig, endlich sieht man dich mal wieder.“ Anschließend umarmten sich die beiden Frauen.
Nachdem sich Hedwig, die einen klassischen Pagenkopf trug, wieder gefangen hatte, drehte sie sich um, sah in vier fragende Kindergesichter und sagte bestimmt: „Nein ich werde es heute bestimmt nicht mehr erzählen.“ Dann wandte sich Hedwig an Josef: „Und dir Josef muss ich noch die heutige Reihenfolge bekanntgeben. Der erste ist Axel, dann kommt Annegret, gefolgt von Franziska und zum Schluss meine liebe Tochter. Außerdem gebe ich Doris das Vorrecht, den Haarschnitt ihres kleinen Bruders zu bestimmen. Komm, Janine, wir gehen.“
Als die beiden Frauen das Haus verlassen hatten, setzte sich Axel freudestrahlend in den Hochstuhl und wartete auf die erste Berührung des Clippers, als er seine große Schwester laut sprechen hörte: „Onkel Josef, schau mir bitte in die Augen.“ Er kam der Bitte nach und was er sah, erschreckte ihn sehr, denn diese waren rotgerändert und tränennass.
Doris sagte: „Ich kann dir ganz einfach nicht die Worte sagen, welche ich eigentlich für mich bestimmt hatte. Außerdem glaube ich auch nicht, dass du den Wunsch ausführen würdest.“
Auf einmal hörten alle eine Tür auf und zugehen, und kurze Zeit später standen Hedwig und Janine wieder im Herrenbereich. Hedwig ging zu ihrer Tochter, reichte ihr ein Taschentuch und sagte mit einer sehr weichen Stimme: „Ich bin sehr, sehr stolz auf dich. Und jetzt geh mit Tante Janine und lass dich verwöhnen.“ Zu Josef gewandt sagte Hedwig: „Nimm bitte den Scherkopf, welche du beim letzten Mal bei Franziska verwendet hast und schere den Oberkopf auf 4,5 mm.“
Axel drehte sich im Hochstuhl um und strahlte seine Mutter an, doch diese sagte nur: „Gern geschehen.“ Josef fing an, Axel wieder auf Vordermann zu bringen. Hedwig jedoch setzte sie sich zu den beiden Mädchen in den Wartebereich und sagte: „Ich möchte, dass Ihr mich ab sofort mit Tante Hedwig und du anredet, auch in Gegenwart meiner Tochter und meines Sohnes. Meinen Mann habt Ihr weiterhin als Respektsperson zu behandeln. Und lasst Euch ganz einfach überraschen, was Janine mit Eurer Cousine macht. Franziska, hat dir deine Mutter einen Briefumschlag mitgegeben?“
Das Mädchen nickte und sagte: „Vielen Dank und noch eine Bitte, Tante Hedwig.“ Diese fragte: „Ja, und die wäre?“ Franziska erklärte: „Wir reden uns untereinander mit Doris, Gretl und Franzi an“ Hedwig erwiderte: „Gut, dann werde ich Euch auch so anreden. Und bedankt Euch erst, wenn der Tag vorbei ist.“
Dann sah sie, dass ihr Sohn gerade von Josef befreit wurde, daher ging Hedwig zu Josef und flüsterte ihm ins Ohr: „Ich habe Franzi und Gretl in die Familie aufgenommen und ich denke, du weißt, was noch auf dich zukommt.“ Er nickte und Hedwig wandte sich ihrem Sohn zu: „Junger Mann, wie gefällst du dir?“ Axel grinste über das ganze Gesicht und sagte: „Ich gefalle mir sehr, Mama. Ich danke dir vielmals und auch dir Onkel Josef sage ich Vielen Dank.“
Hedwig sagte: „Und nun, mein Sohn, gehe bitte zu deinen neuen Cousinen und bleibe bei ihnen. Gehe bitte nicht zu Doris, denn ich möchte sie überraschen, verstanden?“ Axel nickte: „Ja, ich habe verstanden, liebe Mama.“ Langsam und unentwegt lächelnd ging er zu seinen neuen Cousinen in den Wartebereich. „Mein Name ist Axel und wie darf ich Euch nennen?“, fragte er?
Franziska erwiderte: „Mein Name ist Franzi, und diese junge Dame will mit Gretl gerufen werden.“ „Darf ich zwischen Euch sitzen?“, fragte er, was ihm lächelnd erlaubt wird.
Inzwischen hatte Hedwig durch Handzeichen klar gemacht, dass sie in den Damenbereich wechseln wird und Josef schaute vielsagend zu Gretl. Diese stand lächelnd auf und setzte sich in den Hochstuhl. Er fragte: „Nun Gretl was darf ich bei dir machen?“ Sie sagte: „Ich möchte den Oberkopf wie mein neuer Cousin, und den Rest wie gehabt.“
Josef fragte: „Bist du sicher?“ „Ja“, antwortete sie. „Nun dann werde ich dich vorbereiten und den Haarschnitt ausführen“, sagte Josef. Er ergriff seinen großen roten Clipper, tauschte den Scherkopf aus, ölte ihn, schaltete die Maschine ein und kurz danach wieder aus.
„Fertig, Gretl?“, fragte er. Annegret sagte nichts, sondern neigte wortlos ihren Kopf, sodass Josef ihren Hinterkopf scheren konnte. Nachdem er die Seiten bearbeitet hatte, schaltete Josef den roten Clipper aus. „Gretl, bevor ich jetzt deinen Oberkopf bearbeite, möchte ich wissen, ob sie mit Euch darüber geredet hat?“, fragte Josef. „Nein, das brauchte sie nicht und bitte kein Wort mehr darüber“, erwiderte Annegret. Josef nahm die andere Maschine, kontrollierte den Abstandshalter, ölte den Scherkopf, ließ den Clipper kurz laufen und schaltete ihn wieder aus.
Josef sagte in einem Befehlston: „Bitte keine ruckartigen Bewegungen mehr.“ Annegret nickte und brachte ihren Kopf in eine aufrechte Position, und Josef schor ihren Oberkopf auf eine Länge von 4.5 mm. Nach den üblichen Abschlussarbeiten befreite er Annegret, zeigte ihr den Hinterkopf mit dem Spiegel und fragte lächelnd: „Nun, junge Dame, wie gefallen Sie sich?“ „Warum so förmlich, Onkel Josef?“, war die Gegenfrage. „Vielleicht ein bisschen Vorbereitung auf die große Aufgabe. Und nun geh zu Franzi und sag ihr, sie soll die Rückseite des Briefes lesen, den sie heute bekommen hat. Anschließend kann sie zu mir kommen.“
Unterdessen war Hedwig zu Janine in den Damenbereich gegangen und hatte sie über die neuen Verhältnisse aufgeklärt: „Dein Mann fängt gerade mit Gretl an und bei Franzi wird es länger dauern, da sie erst mal einen Brief verdauen muss. Außerdem werden Franzi und Gretl erst wieder Ende August bei Euch auftauchen. Doch nun gehe ich zu Doris und frage meine Tochter, wie es ihr geht.“
Kurze Zeit später stand Hedwig neben ihrer Tochter und sagte: „Nun, mein liebes Töchterlein, wie geht es dir?“ „Als ob man ein paar Spiegeleier auf meinem Kopf braten würde“, war die Antwort. „Tröste dich es ist gleich vorbei“, entgegnete Hedwig.
Plötzlich sagte Doris: „Mama, ich hätte dir sagen müssen, dass ich Onkel Josef etwas gefragt hatte, bevor ich Axel rief, und deshalb bin ich der Meinung, dass ich sehr, sehr hart bestraft werden muss.“ Hedwig erwiderte: „Ist in Ordnung, meine Tochter, ich werde den Auftrag erteilen.“
Sie hob die Stimme und rief: „Janine.“ „Ja“, kam die Antwort. Hedwig fragte: „Kommst du bitte mal?“ In weniger als 10 Sekunden war Janine da. Hedwig sagte: „Du wirst Axel rufen, wenn seine große Schwester fertig ist.“ Janine nickte, die beiden Frauen umarmten sich und Hedwig verließ den Damenbereich.
Als Hedwig den Herrenbereich betrat, hatte Franziska den Brief ihrer Eltern schon gelesen, und ihre Augen schwammen in Tränen, als sie sagte: „Auch jetzt, da ich die Hintergründe kenne, kann ich dir nur immer wieder danken, liebe Tante.“ „Dem kann ich mich nur anschließen“, sagte Gretl und umarmte ihre Tante.“
Hedwig erwiderte: „Auch ich habe zu danken, und dir Josef muss ich sagen, dass ich dich bei der Behandlung meiner Tochter sehr förmlich anreden werde. Und wenn Janine nach Axel ruft, geht Ihr beiden mit.“ Axel sah seine Mutter fragend an und die nickte nur.
Hedwig fragte: „Franzi, darf ich deinen Haarschnitt in Auftrag geben?“ Franziska nickte: „Ja, liebe Tante.“ Hedwig sagte: „Josef, mach meine Nichte bitte zum Zwilling von meinem Sohn.“ Josef erwiderte: „Mit Vergnügen, liebe Cousine.“ Daraufhin gab es lauter fragende Gesichter, doch Hedwig sagte nur: „Später, wenn meine Tochter dabei ist“, sagte sie.
Nun setzte sich Franziska in den Bedienstuhl, ließ sich Halskrause und Umhang umbinden und sagte: „Bitte, lieber Onkel, fang an.“ „Ist mir ein Vergnügen, liebe Nichte“, sagte Josef und schaltete den großen Klipper ein. Es dauerte nicht lange, bis er den Hinterkopf und die Seiten auf 0,1 mm geschoren hatte. Nach dem Ausschalten entfernte er den Scherkopf und legte die Maschine daneben.
Nun griff Josef zum anderen Clipper, den er bereits geölt hatte, schaltete ihn ein und schor den Oberkopf auf 4,5 mm. Nach den üblichen Abschlussarbeiten befreite er Franziska von Umhang und Halskrause, und zeigte ihr die Ansicht des Hinterkopfes: „Nun, wie gefällst du dir, meine Nichte?“ Franziska erwiderte: „Unglaublich und wunderschön, lieber Onkel, vielen Dank.“
Wenig später schallte ein Ruf durch den Salon: „Axel, deine Schwester ist fertig.“ „Ich komme“, rief er und die drei Kinder gingen in den Damenbereich.
Was sie dort sahen, verschlug ihnen die Sprache. Da stand Doris, mit einem Stoppelteppich von tizianrotem Haar auf ihrem Kopf.
Axel fragte: „Tante Janine, wie nennt man diese Farbe?“ Janine erklärte: „Es nennt sich Tizianrot, doch dies hier ist nur eine Tönung, welche sich wieder herauswäscht Wenn ich es ihr dauerhaft eingefärbt hätte, hätte ich ihr die Kopfhaut verbrannt. Dieses habe ich zuvor nur ein einziges Mal gemacht, und zwar an meiner eigenen Schwester. Da schwor ich mir, es nie wieder ohne vernünftige Vorbereitung zu tun, und diesen Schwur habe ich bis heute gehalten.“
Axel sagte: „Darf ich dir deine neuen Cousinen vorstellen, große Schwester“? Doris erwiderte: „Aha, so ist das. Jetzt verstehe ich vieles.“ Damit umarmten sich die 3 Mädchen und Doris sagte: „Willkommen in der Familie, liebe Cousinen. Sagt mal, täusche ich mich oder sind Eure Haare am Oberkopf kürzer geworden?“ Axel grinste: „Stimmt. Am Oberkopf sind wir Drillinge. Onkel Josef hat uns nur noch 4,5 mm Länge gelassen.“
Plötzlich kam Josef in den Damenbereich und mahnte: „Schluss jetzt und ab in den Herrenbereich mit Euch Vieren denn für Doris wird es noch hart genug werden!“ Kurze Zeit später waren sie wieder im Herrenbereich.
Hedwig erklärte: „Ich muss sehr weit in die Vergangenheit zurückgehen, um zu erklären warum er mich Cousine nennen darf. Mein Vater war zu dieser Zeit der Kultusminister von Niedersachsen. Anlässlich einer Schuldirektorenkonferenz fiel ihm besonders eine Frau auf, die immer wieder beteuerte, dass deren Frisur von einem 14jährigen Mädchen erstellt worden ist.
Da mein Vater in regelmäßigen Abständen auch Außentermine wahrnehmen musste, packte er die Gelegenheit beim Schopfe. Also fuhr mein Vater zur Jahresabschlussfeier genau jener Schule, wo dieses Mädchen Schülerin war. Er war allerdings überrascht darüber, dass ihn dieses Mädchen wie jeden anderen behandelte.
Im August des folgenden Jahres fuhr er wieder dorthin, weil für das gleiche Mädchen von der Friseur-Innung eine Schulpflichtzeitverkürzung beantragt worden war. Als er erfuhr, dass sie im folgenden Jahr einen Salon in der Nähe von Oberammergau übernehmen würde, stimmte er sofort zu.
An gleichen Tag brachte dieses Mädchen seinen Fahrer, der einen Sonnenstich erlitten hatte, wieder auf Vordermann. Als mein Vater dann erfuhr, dass sie dasselbe bei einem 9-Jährigen Mädchen getan hatte, sorgten meine Eltern dafür, dass diesem Mädchen die niedersächsische Lebensrettungsmedaille vom Landesvater verliehen wurde.
Ich hatte anfangs weniger mit diesem Mädchen zu tun, sondern eher meine Schwester Henrieke. Eines Tages nahm meine Mutter meine Schwester mit nach Klein-Paris, so war der Spitzname des Wohnortes des Mädchens, und meine Schwester kam mit einer Wasserfalloptik in ihrer Po-langen Mähne zurück.
Inzwischen hatten wir dann auf Vermittlung von Doreen ein Rückwärtswaschbecken bekommen, in welches die Haare von Henrieke nicht mehr hineinpassten. Eine Woche vor den Herbstferien kam sie dann mit einem Strähnengeflecht auf dem Kopf zurück, welches so schön war, dass sogar mir die Luft wegblieb.
Als wir dann zuhause diese Frisur auflösten, waren die Haare nur noch gut schulterlang. Diese Länge behielt meine Schwester bis zum Abitur bei, welches sie mit der Traumnote abschloss. Ich lernte dieses Mädchen dann im Sommer des nächsten Jahres kennen, als wir zu einer Mehrfachhochzeit eingeladen waren, welche die Bürger des Ortes arrangiert hatten.
Zu jener Zeit trug ich einen Pilzkopf, den mir Doreen, so hieß das erwähnte Mädchen, nachschnitt. Ein Jahr später ließ ich mir dann von dir, liebe Janine, einen Pixie verpassen, der in den Augen von Doreen viel zu kurz war. Du hattest mir obenauf 4 cm und am Hinterkopf 7 mm an Länge gelassen. Also, mir hat diese Frisur gefallen und so habe ich diese beibehalten, bis ich 16 Jahre alt war.
Als ich mit meinen schulischen Leistungen immer mehr abgefallen war, traf ich eine Radikalentscheidung. Es musste alles runter. Doreen hat meinen Oberkopf auf 10 mm, den Hinterkopf und die Seiten auf 7 mm und den Nacken auf 4 mm geschoren . Vorher hatte ich mir den Pixie herauswachsen lassen, und man hätte auch einen Bob verwirklichen können, aber den wollte ich zu jener Zeit nicht haben.
Allerdings weigerte sich Doreen, die Mähne von Henrieke nach bestandenem Abitur in einen kurzen Pixie zu transformieren. Janine, den hast du genauso kurz geschnitten wie bei mir damals.
Meinen Stiftenkopf habe ich bis zum Abitur beibehalten, allerdings hast du ihn einmal nachgeschnitten und mir, zum Missfallen von Doreen, gerade mal 7 mm übrig gelassen, allerdings konnte ich damit leben. Die ganze Zeit haben wir uns als Cousinen angeredet und sind dabei geblieben. Und das ist auch der Grund, warum Josef als dein Mann mich auch so ansprechen darf.“
Hedwig drehte sich zu Josef und ihr Blick wurde leicht starr, als sie sagte: „Herr Haberkorn, meine Tochter hat sich gegenüber mir und meinem Sohn boshaft und eigennützig verhalten. Deshalb möchte ich Sie bitten, an ihr den Haarschnitt auszuführen, nach dessen Namen sie beim letzten Mal gefragt hat.“ Josef sah sie an und fragte: „Sind Sie sicher, gnädige Frau?“
Hedwig nickte: „Ja, Herr Haberkorn, ich bin sicher.“ Und zu ihrer Tochter gewandt: „Doris, meine Tochter, lass dich vorbereiten und harre der Dinge, die da kommen werden.“ Doris blickte mit tränennassen Augen, aus denen ihre Stimmung nicht abzulesen war, zu ihrer Mutter und sagte: „Ja, Mama.“
Josef sagte, nachdem Doris sich in den Bedienstuhl gesetzt hatte: „Da heute ein besonderer Tag ist, möchte ich wissen, unter welcher Farbe du sitzen willst, liebe Nichte. Verfügbar sind Weiß, Gelb, Rot, Orange, Dunkelblau und Grün.“ Doris erwiderte: „Lieber Onkel, ich wähle Rot.“ Josef bat: „Liebling, bringst du diesen und auch drei Handtücher.“ Janine erwiderte: „Kommt sofort, Liebling.“ Kurze Zeit später war sie mit dem Gewünschten wieder zurück.
Nachdem Josef Doris mit der Halskrause und dem Umhang vorbereitet hatte, nahm er seinen großen Clipper, steckte den entfernten Scherkopf wieder auf und schaltete die Maschine ein. Mit einer leicht belegten Stimme fragte Josef: „Bereit?“ Statt einer Antwort neigte Doris den Kopf und er konnte mit der Arbeit beginnen. Nach kurzer Zeit hatte er den Hinterkopf und die Seiten auf 0,1mm reduziert. Nachdem er die zweite Maschine mit dem #1-Abstandshalter versehen hatte, rief er: „Liebling, ein heißes Handtuch bitte.“
Janine nahm eines zur Hand und ging damit in den Damenbereich. Kurz nachdem Josef den Oberkopf auf 3 mm geschoren hatte, kam seine Frau mit dem heißen Handtuch wieder. Josef drehte sich um, übernahm das von Janine gereichte Handtuch und sagte: „Dieses heiße Handtuch ermöglicht mir, eine effektive und glatte Rasur durchzuführen.“ Dann wickelte er es Doris um den Kopf.
Nach einer gewissen Zeit nahm Josef es wieder ab. Er rasierte den Kopf einmal mit und einmal gegen den Strich, prüfte das Ergebnis und befand es zu seiner Zufriedenheit. Nun tränkte er ein anderes Handtuch mit kaltem Wasser. Nachdem Josef es ausgewrungen hatte, der restliche Schaum war vorher entfernt worden, legte er Doris dieses Handtuch wie das Heiße um den Kopf. Nach einiger Zeit nahm er es wieder ab und trocknete den Kopf mit einem weiteren Handtuch.
Nachdem Josef dies getan hatte, zeigte er Doris noch die Ansicht des Hinterkopfes, und dann fragte ihr Onkel: „Nun meine liebe Nichte, wie fühlst du dich?“ Doris erwiderte: „Erleichtert und zufrieden. Ich weiß nicht, ob ich selbst in der Lage gewesen wäre, den Auftrag zu geben, aber ich bin froh, dass es vorbei ist. Allerdings möchte ich, dass du mich erlöst.“
Nachdem das geschehen und sie aufgestanden war, empfingen Doris die „Standing Ovations“, denn alle waren aufgestanden und klatschten. Unbeeindruckt davon ging sie zu ihrem Bruder, nahm ihn bei der Hand und ging mit ihm in den Wartebereich, setzte sich und sagte: „Nun, mein lieber Bruder, ich denke, du solltest als Erster die Ehre haben, meine glattrasierte Kopfhaut zu spüren.“
Nachdem Axel dies getan hatte, sagte er nur: „Sehr, sehr weich.“ Nun stand Doris auf, ging zu ihrer Mutter und sagte: „Ich denke, meine neuen Cousinen sollten als Nächste das Recht haben, meine samtweiche Kopfhaut zu spüren.“ Lächelnd wurde ihr die Bitte gewährt, daher ging Doris zu Franziska und Annegret und sagte: „Nun, meine lieben Cousinen, ich möchte Euch die Idee nicht verkaufen, aber vielleicht wollt Ihr mal fühlen.“ Beide Mädchen lächelten und machten mit vielen Ohs und Ahs davon Gebrauch. Deren einhellige Meinung war, dass Onkel Josef exzellente Arbeit geleistet hatte.
Dann sagte Doris: „Franzi, ich dachte, du dürftest immer nur an einer Partie kürzer werden?“ Franziska erwiderte: „Ja das stimmt schon, aber für heute ist das Verbot einmalig aufgehoben worden. Außerdem ist uns mitgeteilt worden, dass wir heute Abend bei Euch essen werden und das uns heute noch Einiges erklärt werden würde.“
Doris entgegnete: „Dann ist es das Beste, wir gehen zu meiner Mutter.“ Nach ein paar Schritten waren die drei Mädchen bei Hedwig und Doris fragte: „Liebe Mama, was hältst du von deiner neuen Tochter?“ Hedwig erwiderte: „Sehr sehr mutig, doch lass mich jetzt erst mal deinen neuen Kopf erkunden.“
Nachdem sie das getan hatte, war ihr Kommentar „Glatt wie Seide“; und zu Josef gewandt: „Ich glaube, dass du keinen Fehler machen kannst, selbst wenn du wolltest. Aber jetzt ist nicht die Zeit, um uns gegenseitig in den Himmel zu loben, denn ich habe noch viel zu erzählen. Josef, mein lieber Cousin, ich bitte dich darum, dich in den Wartebereich zu setzen, und wir beide holen uns einen Stuhl, Janine.“
Nachdem dies geschehen war, begann Hedwig: „Franzi und Gretl, ich hatte meinen Mann Dirk gebeten, ab der dritten Klasse Eure schulischen Leistungen zu überwachen. Zum Halbjahreszeugnis wart Ihr fast so gut, dass Euch der Übertritt in die höhere Schule geglückt wäre. Aber danach war es wie abgeschnitten.“
Franziska versuchte, dies zu erklären: „Wir haben schnell unsere Hausaufgaben erledigt und sind dann meistens bis zum Abendessen draußen geblieben. Das war auch dann der Fall, wenn wir am nächsten Tag eine Schularbeit zu schreiben hatten. Dadurch waren wir natürlich ungenügend vorbereitet und das Ergebnis zeigte sich dann später.“
Hedwig erwiderte: „So etwas Ähnliches habe ich mir schon gedacht und ich danke dir für deine Offenheit. Aber jetzt möchte ich Janine bitten, von einem Ereignis zu erzählen, an dem sie selbst am 6. September 1971 beteiligt war.“
Janine erzählte: „Also, an diesem Tag haben wir allen neu einzuschulenden Kindern auf deren Wunsch einen Stiftenkopf verpasst (die Kinder hielten ihre offenen Münder zu) Beschlossen wurde dies an dem Tag, als Doreen zur Zugspitze fuhr, und zwar in der Schulaula.“ Dieses Mädchen war im Alter von 16 Jahren die jüngste Friseurmeisterin Deutschlands und hatte in diesem Alter alle verfügbaren Ehrennadeln verliehen bekommen.
Gretl hob ihre Hand und Janine fragte: „Ja, Gretl?“ Diese fragte: „Hatten manche so lange Haare wie ich?“ Janine nickte: „Zwei waren dabei, die auf ihren Mähnen sitzen konnten, und denen wurde von mir ein Jungen-Schnitt verpasst. Was dies bedeutet, dass erkläre ich gleich. Da wir jeweils 15 Jungen und 15 Mädchen zu bedienen hatten, wurden die Jungs ab 9.00 Uhr und die Mädchen ab 13.00 Uhr bedient. Es war abgesprochen worden, dass die Jungs auf 7 und 4 mm, die Mädchen auf 10 und 7mm geschoren werden würden.“
Janine stand auf und sagte: „Ich komme gleich wieder.“ Nach kurzer Zeit kam sie zurück mit einem Gerät in der Hand, drückte es Franzi in die Hand und sagte: „Wenn der Teleskopschalter der Maschine ganz hinten ist, bleiben 4 mm und in der vordersten Stellung 21 mm an Länge übrig. Bei den beiden angesprochenen Mädchen musste ich erst einen Pferdeschwanz binden und mit Doreens Zöpferschere abschneiden.
Da deren Haare sehr dicht waren, musste ich diese erst einmal auf eine bearbeitbare Länge reduzieren. Als ich dann sah, dass auch bei 4 mm noch keine Kopfhaut sichtbar war, fragte ich das Mädchen, ob ich den ganzen Hinterkopf und die Seiten auf diese Länge bringen dürfe. Sie stimmte freudestrahlend zu. Das andere Mädchen wollte die gleiche Behandlung, und als ich fertig war, drückten mir beide Mädchen ein Küsschen auf die Wange. Diesen Haarschnitt behielten die beiden 2 Jahre.
Die einzuschulenden Kinder mussten hierfür nichts bezahlen und die Jungs, die wir zusätzlich bedienten, wurden mit 5 DM zur Kasse gebeten. Am Ende der Woche war es so, dass 1/3 der Mädchen und alle Jungs aus den unteren beiden Klassen diesen Haarschnitt hatten.
Als ich S.-W. für immer verließ, war nur ein Mädchen an dieser Grundschule dabei, das sich nicht für eine Kurzhaarfrisur entscheiden konnte.
Hedwig warf ein: „Und diese Geschichte habe ich auch Euren Eltern erzählt und hinzugefügt, dass diese Mädchen stolz auf ihre Frisuren sind und diese mit Überzeugung tragen. Als ich diese Geschichte Euren Eltern erzählte, wollte ich die Idee bestimmt nicht verkaufen, aber als ich in die Augen Eurer Eltern sah, wusste ich wo das für Euch enden würde.
Auch das Zusammentreffen mit meiner Tochter Doris war kein Zufall. Als sie dann mit dieser Frisur heimkam, brauchte mir mein Mann Dirk nur in die Augen zu sehen, um zu wissen, was ich dachte. Er sagte mir, dass er erst mal telefonisch vorfühlen würde und das, sobald die Zusage da wäre, alles weitere mündlich besprochen werden würde. Dies haben wir dann in der Schule getan.
Außerdem wurde beschlossen, dass Ihr in 14 Tagen bei uns in S.-W. seid, wo mein Mann Euch Nachhilfe in den Fächern gibt, in denen Ihr gestrauchelt seid. Und jetzt bist du dran, lieber Cousin.“
Josef nickte: „Danke, liebe Cousine. Franzi, Gretl zunächst will ich Euch mitteilen, dass jede Auffrischung Eures Haarschnitts 5 DM kostet, solange Ihr in meinem Bereich bedient werdet. Und dir, Franzi, werde ich in 4 Jahren einen Praktikumsplatz freihalten, wenn du diesen dann noch haben willst. Auch wenn du ab und zu unserer Arbeit zusehen willst, habe ich nichts dagegen“.
Franziska strahlte: „Vielen Dank, lieber Onkel.“ Dann drehte sie sich zu Janine um und gab ihr die Maschine zurück. Und ohne Vorwarnung fragte Franziska: „Kann ich mir mit dieser Maschine meine Haare beim Charaktertest abscheren oder muss ich eine von deinen Schweren nehmen, lieber Onkel? Ich weiß es deshalb, weil mein Vater mich vorgewarnt hat, denn er ist daran gescheitert und hatte Angst, dass es mir ebenso ergeht.“
Josef erwiderte: „Mir ist egal, mit welcher du es machst. Für mich ist nur wichtig, dass du die Hemmschwelle überwindest.“ Franziska nickte: „Danke für die Auskunft, lieber Onkel, und Ihr anderen fragt bitte nicht weiter. Es ist nur wichtig für mich und nicht für Euch.“
Doris warf ein: „Darf ich unterbrechen?“ Dann drehte sie sich zu Ihrem Onkel und fragte: „Wusstest du damals schon, was auf dich zukommt?“ Josef nickte: „Ja, ich wusste es, liebe Nichte, aber ich wusste auch, dass du niemals in der Lage sein würdest, den Auftrag zu geben, weder für dich noch für einen anderen Menschen.“
Hedwig mahnte: „Es ist Zeit, dass wir uns verabschieden. Lieber Cousin, was schulde ich dir?“ Josef erwiderte: „Ich will heute kein Geld von dir haben. Betrachte es so, als ob du im Atelier von Doreen wärst.“ Hedwig entnahm aus ihrer Tasche einen 50-DM-Schein, gab ihn Janine, umarmte sie und sagte: „Ich hoffe, dass es nicht wieder mehr als 10 Jahre dauert, bis wir uns wiedersehen. Jetzt hätte ich noch gerne gewusst, wer deinen Pixie geschnitten hat und ob du je den Charaktertest machen musstest?“
Janine erwiderte: „Den Pixie schneidet mir Josef, denn auch er ist im Damenfach ausgebildet. Allerdings ist er genauso kurz wie deiner damals und den Charaktertest habe ich nur einmal bei Doreen gemacht (alle Kinder außer Franzi japsten). Allerdings war es nur ein A-Liner, der mit dem Rasiermesser vollkommen glatt rasiert wurde. Nun, vielleicht erkläre ich Euch eines Tages, wie dieser aussieht.“
Nachdem dann das Abendessen beendet war, und Franzi sowie Gretl nach Hause gingen, wurde Doris eröffnet, dass sie das nächste Schuljahr am Gymnasium in Oberammergau verbringen würde.
Am nächsten Tag kam in der großen Pause ein 12-Jähriges Mädchen mit fast hüftlangen mausbraunen Haaren auf die Cousinen zu und sprach Doris an: „Hallo, mein Name ist Ute und ich wollte dich fragen, wer diese extreme Veränderung an dir vorgenommen hat?“
Doris erwiderte: „Ich heiße Doris und dies sind meine Cousinen Franzi und Gretl. Diese Veränderung wurde im Salon Haberkorn durchgeführt, weil ich mich boshaft und eigennützig gegenüber meiner Mutter und meinem Bruder verhalten habe. Die Farbe wurde mit einer Tönung erreicht, die sich mit der Zeit herauswäscht.“
Ute entgegnete: „Und trotzdem wirkst du immer noch feminin auf mich, obwohl du fast keine Haare auf dem Kopf hast, und wenn man fast täglich von den Mitschülern mit Mausi gerufen wird, dann ist man eines Tages auch bereit, einen ganz radikalen Weg zu gehen.“ Nachdem sie das gesagt hatte, hörte man eine Krankenwagensirene und kurz darauf die Schulglocke, welche die Schüler wieder in den Unterricht zurückrief.
Als die vier Mädchen in der zweiten Pause wieder zusammentrafen, machte Franziska den Vorschlag, dass Ute mal unverbindlich mit Janine und Josef reden sollte, wozu Ute begeistert zustimmte.
Franziska sagte: „Aber ich würde morgen Nachmittag vorschlagen, denn der Dienstag ist sehr lebhaft bei den beiden. Allerdings wollte ich dich noch nach deinem Familiennamen fragen, meiner ist Wagner.“ „Brunnhuber“, war die Antwort.
Nachdem auch Doris und Gretl ihre Familiennamen gesagt hatten, fragte Ute: „Wieso bezeichnet Ihr Euch als Cousinen, obwohl Ihr nicht derselben Familie angehört?“ Franziska erklärte: „Weil uns Doris‘ Mutter in diese aufgenommen hat, indem sie uns sagte, dass wir sie ab sofort als Tante ansprechen dürfen. Auch den Friseur Haberkorn und seine Frau dürfen wir verwandtschaftlich ansprechen. Nun muss ich dir noch sagen, dass Doris diesen Ort an diesem Wochenende für immer verlassen wird, um mit ihren Eltern in die Nähe von Oberammergau zu ziehen. Und ich denke, alles Weitere können wir morgen besprechen.“
Beim Mittagessen erzählte Doris ihren Eltern (auch ihr Vater war dabei) von Utes Leid und den Abmachungen, die sie getroffen hatten. Ihr Vater erklärte ihr, dass er sich darum kümmern würde, da sein Haarschnitt eine Auffrischung benötigen würde.
Als er dann dort war, sagte ihm Josef zunächst, dass er ihn als Cousin anreden dürfe und jede Behandlung nur die Hälfte kosten würde. Nach der Auffrischung (als Lehrer musste er natürlich konservativ bleiben) erzählte er von Ute und fragte, wann für die beiden die beste Zeit für eine unverbindliche Beratung wäre. Nach Absprache mit Janine sagte er zu Dirk Gollwitzer, dass 15.00 Uhr am nächsten Tag die beste Zeit wäre. Dies gab er dann an seine Tochter weiter.
Kurz nachdem Dirk den Salon verlassen hatte, wurde dieser von 3 Personen betreten, wovon eine auf den Armen ihres Vaters lag. Dieses 5-Jährige Mädchen hatte wegen ihrer halbrückenlangen schwarzen Haare einen Sonnenstich erlitten.
Der herbeigerufene Notarzt hatte der Mutter unmissverständlich klargemacht, dass, wenn die gegenwärtige Haarlänge beibehalten würde, bei der derzeitigen Witterung Lebensgefahr für das Kind bestehen würde. Aus diesem Grund hatte die Familie beschlossen, vorbeizukommen. Sie stellten sich als Chantal, Uschi und Florian Achtmeyer vor.
Nachdem der Vater seine Tochter auf den Hochstuhl gehoben hatte, stellte Janine sich vor: „Nun, Uschi, ich heiße Janine und werde dich heute bedienen.“ Sie spülte und massierte zweimal kalt und einmal lauwarm, um Uschi wieder auf den Damm zu bringen. „Uschi, willst du den weißen oder den gelben Umhang?“, fragte Janine „Den Weißen, bitte“, war die Antwort.“ Janine sagte mit freundlicher Stimme: „Uschi, bevor ich anfange, werde ich dich nochmals auf den Boden stellen. Du gehst bitte ein wenig herum, denn ich möchte sicherstellen, dass du nicht wieder zusammenbrichst.“ Die Worte in die Tat umsetzend, hob Janine Uschi aus dem Hochstuhl. Kaum stand die Kleine auf dem Boden, kam sie der Bitte freudestrahlend nach.
Janine ging nun zu den Eltern: „Ich heiße Janine und wie darf ich Sie nennen?“ Die Frau sagte: „Ich heiße Chantal Achtmeyer, und mein Mann heißt Florian, und ich möchte, dass wir uns duzen, denn so spricht es sich in meinen Augen leichter.“ „Vielen Dank, aber ich tue es grundsätzlich nicht ohne Erlaubnis“, erwiderte Janine.
Chantal sagte: „Also, unsere Tochter möchte unbedingt einen kurzen Stiftenkopf, aber wir sind leider noch nicht bereit, ihr diese Erlaubnis zu geben. Hast du irgendwelche Vorschläge, Janine?“ Diese erwiderte: „Ja habe ich. Der Erste wäre ein ohrläppchenlanger Bob mit Undercut.“ Da beide Eltern fragende Gesichter hatten, erklärte Janine: „Ich teile die Deckhaare in Ohrhöhe ab und bringe die unteren Haare auf die gewünschte Länge; von 0 – 13 mm ist da alles möglich. Die nächste Möglichkeit wäre ein Pixie, das ist die Frisur, welche ich zurzeit trage. Bei Eurer Tochter ist am Oberkopf eine Länge zwischen 4 und 7 cm möglich, und am Hinterkopf stehen 7 und 10 mm zur Auswahl.
Und nun noch etwas anderes: „Ich werde für die Behandlung Eurer Tochter 10 DM verlangen, egal ob ich nun einen oder fünf Haarschnitte erstellen muss. Für mich ist Eure Tochter heute keine Kundin, sondern ein hilfebedürftiger Mensch, der sein weiteres Leben in vollen Zügen genießen können sollte.“
Chantal fragte: „Wie sind Eure normalen Bedienpreise?“ Janine zählte auf: „
Kinder im Vorschulalter zahlen bei uns 10 DM, Schülerinnen oder Schüler 15 DM, erwachsene Herren 18 DM.
Ein Damenhaarschnitt kostet bei mir mit Spülung und Föhnen 25 DM, für eine Haarkur kommen nochmal 2,50 DM hinzu. Und dabei ist es mir egal, ob ich 1 oder 50 cm an Länge abschneide.
Eine Tönung kostet 40 DM, eine permanente Farbveränderung kostet 50 DM, ebenso eine Dauerwelle. Außerdem bestehe ich bei Chemischen Veränderungen auf einer Vorbereitung mit Basis- und Peeling-Shampoo, für die ich kein Geld verlange. Lediglich das Fläschchen muss mir zurückgegeben werden, da ich es sonst mit 2,50 DM in Rechnung stellen muss.“
Janine machte eine kurze Atempause und sagte dann: „Jetzt allerdings wieder zu den ernsten Dingen des Lebens. Welchen Haarschnitt darf ich bei Eurer Tochter Uschi erstellen?“ Diesmal war es Florian, der sagte: „Verwirkliche bei ihr den Pixie, die Länge überlassen wir dir.“
Janine holte nun ihren weißen Kinderumhang und eine Halskrause, bereitete Uschi, die inzwischen wieder von ihrem Vater in den Hochstuhl gehoben worden war, vor und sagte: „Nun, junges Fräulein, es wird zwar nicht dein Wunschtraum, aber trotzdem sehr nahe dran, also lass dich überraschen.“ Uschi nickte nur und Janine machte sich daran, die Haare knapp unterhalb des Ohres abzuschneiden.
Dann brachte sie den Oberkopf und die Seiten auf 5 cm Länge und griff nun zum Haarschneider, den sie von Doreen zum Abschied geschenkt bekommen hatte, und schor damit Uschis Hinterkopf auf 10 mm. Dann nahm Janine wahllos einige Strähnen auf und schnitt diese mit der Scherenspitze leicht an. Noch etwas Haargel, und die Frisur war fertig. Dann flüsterte Janine in das Ohr von Uschi: „Kommen bei dir jeden Tag 2 etwa 10-Jährige Mädchen mit sehr, sehr kurzen Haaren vorbei?“
Uschi strahlte nur und nickte. „Dann lass dich überraschen, wie die beiden jetzt aussehen“, sagte Janine, bevor sie Umhang und Halskrause entfernte. „Josef“, rief Janine. Kurze Zeit später war ihr Ehemann da, und Janine erklärte ihm: „Da sind noch ein paar vereinzelte Härchen im Nacken, aber ich möchte nicht mit meinem Rasiermesser darüber gehen.“ „Dann mach es mit deinem Clipper, damit kann sicher nichts passieren!“, sagte er und ging wieder in den Herrenbereich.
Janine sagte: „Uschi, ich muss dir noch ein paar vereinzelte Härchen in deinem Nacken entfernen.“ Nachdem dies geschehen war, zeigte sie es der Kleinen mit dem Spiegel. Uschi jedoch nickte nur lächelnd, daher fragte Janine: „Hast du deinen Wunschtraum immer noch?“ Uschi antwortete: „Ja, Janine, meinen Wunschtraum habe ich immer noch, aber auch diese Frisur ist wunderschön, danke schön.“
An die Eltern gewandt sagte Janine: „Der Oberkopf und die Seiten von Uschis Haaren sind jetzt 5 cm lang, den Hinterkopf habe ich auf 10 mm geschoren und wahllos angeschnitten, um eine feminine Optik zu erreichen. Uschis Haare sollten heute Abend gewaschen werden, um das Haargel, welches ich eingearbeitet habe, wieder zu entfernen. Und nun frage ich Euch, was Ihr von Eurer neuen Tochter haltet?“
Chantal erwiderte: „Ich glaube für uns beide zu sprechen, wenn ich sage, dass ich nie geglaubt habe, dass ein so trauriger Anlass zu einer so schönen Frisur führen würde. Deshalb wollte ich dich, liebe Janine, bitten, diesen Haarschnitt auch bei mir innerhalb dieser Woche zu verwirklichen.(Chantals Haare sind rotblond und schulterlang) Vielleicht erlauben wir den anderen Haarschnitt auch noch, aber wir sind uns noch nicht sicher.“
Janine entgegnete: „Den Haarschnitt kannst du am Freitag ab 17.00 Uhr haben, oder aber am Samstag auf gut Glück, denn an diesem Tag vergebe ich nur Termine, wenn ich eine chemische Behandlung durchführen muss.“ „Freitag um 17.00 Uhr ist für mich okay“, sagte Chantal.
Nachdem die Familie bezahlt hatte und gegangen war, ging Janine zu Josef und sagte nur: „Hör bitte zu.“ Dann nahm sie den Hörer, wählte eine Nummer und wartete. Es meldete sich eine weibliche Stimme, die sagte:
„Friseur-Innung Oberland, Doreen S. am Apparat.“
„Hallo Doreen, hier spricht deine Cousine Janine Haberkorn, und ich brauche deinen Rat wegen eines Sonnenstichs.“
„Oh, das hört sich gar nicht gut an.“
„Wie recht du hast. Was hast du damals nach dem Haarschnitt gemacht?“
„Ich habe ein Haarschutzgel mit LSF 12 eingearbeitet.“
„Das dürfte aber für heutige Zeiten nicht mehr ausreichend sein, oder?“
„Nun ja, da dürftest du schon recht haben. Doch andererseits hat mir Bernd letzte Woche ein sehr günstiges Angebot mit LSF 30 gemacht, aber dieses Risiko will ich nicht eingehen, weil die Mindestabnahme bei 240 Tuben liegt“.
„Bietet er auch Sonnenschutzcreme oder Sonnenschutzmilch an, denn du musst wissen, dass der nächste Drogeriemarkt über 30 km entfernt liegt, und wir der einzige Friseur am Ort sind. Dann hätte ich noch gerne gewusst, ob dieses Haargel nur in schwarzem Haar wirkt oder auch in anderen Haarfarben? Und was habe ich dabei zu beachten?“
„Es wirkt, soweit ich weiß, bei allen Haarfarben und ein kleiner Klecks von der Größe einer Walnuss reicht vollkommen aus. Am gleichen Abend muss es ausgewaschen, nicht ausgespült, werden. Es hält die schädliche UV-Strahlung von jedem Haar fern.“
„Dann gib mir bitte die Nummer.“
Nachdem Doreen diese durchgegeben hatte, fragte Janine:
„Liebe Cousine, sitzt du gut“?
„Eigentlich schon, aber warum die Frage?“
„Weil ich dir hiermit mitteile, dass die Schwester deiner Cousine Henrieke mit Mann und Maus in deinen Ort zieht.“
„Du wohnst immer noch im selben Ort?“
„Ja, warum fragst du?“
„Dann wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als zu kommen.“
„Montag und Mittwoch wären die besten Tage.“
„Ich werde sehen, ob ich mich dafür frei machen kann. Auf Wiederhören, liebe Cousine.“ „Gleichfalls. Bis bald.“
Janine legte den Hörer auf und atmete tief durch.
Nun griff sich Josef den Hörer und wählte die von Doreen durchgegebene Nummer. Es läutete zweimal, dann hob jemand ab:
„Friseurbedarf-Großhandel, Bernd am Apparat.“
„Mein Name ist Josef Haberkorn und ich rufe auf Empfehlung von Doreen S. an.“
„Was kann ich für Sie tun, Herr Haberkorn?“
„Ich rufe wegen des Haarschutzgels mit LSF 30 an. Und vielleicht auch wegen einer Sonnenschutzcreme oder Sonnenschutzmilch mit LSF 40 an.“
„Das haben wir alles auf Lager.“
„Ab wann ist eine Bestellung versandkostenfrei?“
„Ab einem Warenwert von 500 DM.“
„Was würde eine Express-Lieferung zusätzlich kosten?“
„Bei ihrem jetzigen Bestellwert 20 DM und wir garantieren eine Lieferzeit von max. 36 Stunden. Nun brauche ich noch eine Adresse, wohin ich es senden kann“.
Nachdem Josef diese durchgegeben hatte, fragte er:
„Wird auch ein Katalog Eures Sortiments beigelegt?“
„Das ist bei Erstkunden immer der Fall. Und wenn Ihre Angaben bestätigt werden, ist die Bestellung spätestens Donnerstagmorgen bei Ihnen.“
Nachdem Josef den Salon geschlossen hatte, Janine hatte noch in ihrem Bereich zu tun, klingelte das Telefon. Janine hörte angestrengt zu, während Josef den Hörer in die Hand nahm und sich meldete:
„Salon Haberkorn, der Inhaber persönlich am Apparat“
„Friseurbedarf-Großhandel. Bernd M am Apparat. Doreen hat die Angaben bestätigt und nun möchte ich fragen, obwohl wir uns nicht persönlich kennen, ob ich Sie persönlich ansprechen darf? Denn ich sehe es so, dass die Freunde meiner kleinen Schwester auch meine Freunde sind.“
„Diese Erlaubnis erteile ich sehr gern, ich heiße Josef und meine Frau heißt Janine.“
„Dann erteile ich dir diese Erlaubnis auch.“
„Vielen Dank dafür. Und nun hätte noch gerne gewusst, wie lange Ihr arbeitet“?
„Also, ich in der Regel bis 20.00 Uhr, und der Versand sogar bis Mitternacht; Allerdings möchte ich noch unser vorheriges Gespräch bestätigen, dass die Ware spätestens am Donnerstagmorgen bei dir eintrifft. Ich wünsche Euch noch einen Guten Abend und sage Auf Wiederhören.“
„Auf Wiederhören.“
Josef legte den Hörer auf und sah seine Frau fragend an, dann fragte er: „Großer Bruder? Wie das denn?“ Janine kam zu ihrem Ehemann, gab ihm einen Kuss und sagte: „Ich erkläre es dir später. Lass uns Schluss machen.“
Als sie dann am Abend zusammen saßen, sagte Janine: „Der große Bruder kam folgendermaßen zustande: Mit der ersten Ehrennadel für Doreen war auch eine Gratifikation verbunden, die ihr Meister für Ausbildungszwecke verwenden musste. Davon hat sie dann ihr erstes Profiwerkzeug gekauft.
Ihr Betreuer bei diesem Einkauf war Bernd gewesen, und dieser hätte ihr am liebsten schon an diesem ersten Tag einen Antrag gemacht, aber 8 Jahre Altersunterschied waren ganz einfach zuviel. Als sie dann von der Innung als Auszubildende anerkannt worden war, hat er ihr einen Rollwagen geschenkt. Da Doreen nicht selbst anwesend war, hat er auf einen Zettel geschrieben:
„Für meine kleine Schwester von ihrem großen Bruder“. Als sie dann fragte, wer das gebracht habe, wurde ihr gesagt, dass es Bernd gewesen sei. Am folgenden Wochenende hat sie sich mit einem Küsschen bei ihm dafür bedankt.
Und etwas Wichtiges muss ich dir auch noch erzählen, denn sie ist auch noch Ehrenbürgerin der Gemeinde, in der sie wohnt, und auch die Verwandlung, die wir am 6. September 1971 durchgeführt haben, ist in der Zeitung erschienen. Der Titel war:
ZOPFWETTBEWERB EINMAL UMGEKEHRT
Gesamte Schulklasse lässt sich einen Stiftenkopf verpassen
Die Fotos dazu hat ihr leiblicher Onkel gemacht, der zu dieser Zeit Pressereferent im Rathaus war. Dazu muss ich dir noch sagen, dass sie nie mit ihren Auszeichnungen und Titeln geprahlt hat oder damit hausieren gegangen ist. Sie ist immer natürlich geblieben und wollte auch nie als etwas Besonderes behandelt werden.“
Daraufhin sagte Josef: „Deine ehemalige Chefin wird mir immer sympathischer, aber auch immer unheimlicher.“
Doris hatte schon auf dem Schulweg das Glück, auf Ute zu treffen, daher sagte sie: „Mein Vater war gestern für einen Haarschnitt dort, und hat über dein Problem berichtet. Mein Onkel und meine Tante sind ab 15.00 Uhr zu einem unverbindlichen Beratungsgespräch mit dir bereit. Ich bin gerne bereit, dich dorthin zu begleiten. Doch was meine beiden Cousinen betrifft, kann ich es nicht 100%ig sagen. Dazu musst du die große Pause abwarten.“
Als diese dann kam, erklärten sich auch Franziska und Annegret gerne bereit, Ute moralische Unterstützung bei Onkel Josef und Tante Janine zu geben. Dann sagte Franziska: „Auf unserem Schulweg sehen wir täglich ein ungefähr 5-Jähriges Mädchen, das bis gestern lange schwarze Haare trug. Als wir heute wieder vorbeikamen, hatte die Kleine einen wunderschönen Pixie und fragte uns, ob sie mal über unsere Köpfe streichen dürfe. Das haben wir ihr erlaubt und ihr Kommentar war „sehr weich“. Dann fielen noch die Worte Janine und Sonnenstich, aber dann mussten wir uns beeilen, um in die Schule zu kommen.“
Doris sagte daraufhin: „Ich werde in der nächsten Pause meinen Vater fragen. Vielleicht kann er mir mehr sagen; allerdings sollten wir einen Treffpunkt vereinbaren.“ Nachdem sie dieses ausgemacht hatten, war die große Pause beendet.
In der nächsten Pause klopfte sie an das Büro ihres Vaters und wurde mit einem freundlichen „Ja bitte“ hereingebeten. Nachdem sie Franziskas Schilderung weitergegeben hatte, sagte ihr Vater: „Das Thema ist viel zu umfangreich, um in dieser Pause komplett beschrieben werden zu können. Allerdings besteht Lebensgefahr, wenn ein Sonnenstich nicht sofort erkannt und behandelt wird. Mehr dazu erkläre ich dir nachher, beim Mittagessen.“
Was er dann auch tat. Er war so ausführlich, dass der Mund seiner Tochter so weit offen war, dass ein Zahnarzt eine Behandlung hätte durchführen können. Als sie später diese Schilderung an ihre neue Freundin und ihre Cousinen weitergab, war das Ergebnis das Gleiche.
Als die Mädchen dann um kurz vor 15.00 Uhr den Salon betraten, waren nicht zwei, sondern drei Personen dabei, mehrere Kartons auszupacken. Die dritte Person hatte tizianrotes Haar, das in einen A-Liner geschnitten war.
Janine sah kurz auf und sagte: „Setzt Euch bitte in den Damenbereich, wir kommen gleich zu Euch.“ Was dann kurze Zeit später geschah. Als dann die 7 gemütlich zusammensaßen, sagte Janine: „Ute, um ein möglichst zwangloses Verhältnis zu erreichen, schlage ich vor, dass wir uns alle duzen und mit Vornamen anreden. Bist du damit einverstanden oder lehnst du das ab?“ Ute erwiderte: „Damit bin ich einverstanden.“
Janine sagte nun: „Dann wird es Zeit, dass wir uns vorstellen. Die Dame zu meiner rechten heißt Doreen, mein Mann heißt Josef und ich möchte mit Janine gerufen werden.“ Weil die Cousinen allesamt den Mund aufrissen und Ute dies bemerkte, fragte sie nach dem Warum. Doris antwortete: „Weil wir schon sehr viel unglaubliches über diese Frau gehört haben.“ Doreen warf ein: „Das mag zwar so sein, aber ich bin ein Mensch wie jeder andere.“
Janine sagte jetzt: „Okay, nun wieder zu dir, Ute. Sollen wir dir ein paar Wege aufzeigen oder hast du dich schon für etwas entschieden?“
Ute erwiderte: „Meine Eltern haben mir gesagt, dass sie eine Farbveränderung nicht bezahlen werden. Mein Vater ist arbeitslos und meine Mutter hat nur einen Halbtagsjob, für den sie auch nicht gerade viel bekommt. Mir stehen 30 DM Taschengeld im Monat zur Verfügung und ich muss für einen Haarschnitt 50% aus meiner Tasche dazu bezahlen.
Dann habe ich auch noch einen 4-Jährigen Bruder, der noch nie beim Friseur war. Ich war bis jetzt nur einmal bei einem Friseur, und da musste meine Mutter 55 DM bezahlen. Danach haben meine Eltern mir immer nur die Spitzen geschnitten.“
Josef erklärte: „Bei mir müsstest du 7,50 DM aus eigener Tasche zuzahlen, wäre das für dich akzeptabel?“
Ute blickte zu ihren Freundinnen, welche ermunternd nickten und Franzi sagte: „Gretl und ich werden unsere jetzigen Haarschnitte bis zum Ende des nächsten Schuljahres beibehalten. Das sage ich nicht, um dir irgendetwas aufzuzwingen, sondern weil wir uns vor mehreren Wochen dazu entschlossen haben.“ Janine stimmte zu: „Und wir sind in dieser Hinsicht derselben Ansicht. Wir wollen, dass der Kunde den Salon mit der Frisur verlässt, die er bei uns in Auftrag gegeben hat und dieser Preis gilt auch dann, wenn wir von lang auf kurz gehen.“
Ute sagte: „Nur 7,50 DM Zuzahlung ist mehr als akzeptabel für mich. Und wie ist es, wenn ich meinen Bruder für einen Haarschnitt vorbeibringe?“ Josef erwiderte: „Der erste Haarschnitt ist frei, für die weiteren verlange ich 5 DM. Deinen Eltern kannst du sagen, dass ein Herrenhaarschnitt 18 DM und ein Damenhaarschnitt 25 DM kostet.“
Ute sagte: „Zunächst wollte ich einen Stiftenkopf mit etwa 1 cm Länge, aber inzwischen bin ich auch bereit, den Weg zu gehen, den Franzi und Gretl eingeschlagen haben. Vielleicht bewundern meine Mitschüler meinen Mut und lassen mich dann in Ruhe. Ich nehme aber an, dass ich für einen solch radikalen Schritt die schriftliche Genehmigung meiner Eltern brauche, oder?“
Janine nickte: „Ja, Ute, das ist richtig, denn sonst könnten deine Eltern uns wegen schwerer Körperverletzung anzeigen. Doch auch eine schriftliche Erklärung kann jederzeit zurückgenommen werden.“
Ute sah nun zu Doreen und fragte: „Doreen, warum bist du so schweigsam?“
Doreen antwortete: „Ich bin aus reiner Neugier hier, weil meine Cousine mir eine bestimmte Geschichte am Telefon nicht erzählen wollte. Ich bin Innungsmeisterin der Innung Oberland, allerdings ist Mittwoch mein normaler Salontag, und da nur ein Kunde eingetragen war habe ich mich entschlossen, meiner Neugier nachzugeben und hierher zu kommen.
Ich mache eine solche Extremveränderung, wie sie dir vorschwebt, grundsätzlich nicht mehr, weil ich zwei Traumata durchlebt habe, und das reicht mir für mein Leben. Aber trotzdem verstehe ich deine Beweggründe, denn meine Servicekraft hatte dasselbe Mausbraun, welches wir später in ein schönes Blond verwandelt haben. Sie wird alle 8 Wochen kostenlos aufgefrischt und ist jetzt sehr glücklich mir ihrer Haarfarbe.“
Ute sagte: „Doreen, ich danke dir für deine Auskunft. Und nun hätte ich gerne gewusst, wann Ihr am Dienstag aufmacht?“ Josef antwortete: „Geöffnet ist von 09.00 – 18.00 Uhr, am Samstag von 08.30 – 14.00 Uhr. Die Erklärung für deine Eltern kann ich dir mitgeben. Darin steht, dass deine Eltern mit jeder Veränderung einverstanden sind und uns nicht regresspflichtig machen. Außerdem steht auch darauf, dass sie die Erklärung jederzeit wiederrufen können. Willst du eine oder zwei davon?“
Ute: „Lieber zwei, dann hast du sie für meinen kleinen Bruder Stefan auch gleich. Und dann wollte ich mich noch dafür bedanken, dass Ihr mich zu nichts gedrängt oder gezwungen habt.“
Nachdem Josef ihr die Erklärungen ausgehändigt hatte, verabschiedete sich Ute und ging lächelnd nach Hause. Die Cousinen waren gebeten worden, noch zu bleiben. Nun sagte Janine zu Doreen: „Das rechte Mädchen ist die Tochter deiner Cousine Hedwig und ist im nächsten Jahr am Oberammergauer Gymnasium. Wir alle sind der Meinung, dass sie dein Gen geerbt hat. Ihr Vater ist der Stv. Direktor an der hiesigen Grundschule. Sie hat auch noch einen kleinen Bruder, der die gleiche Frisur wie Franzi, das ist die Rothaarige, hat.
Die beiden anderen Mädchen werden in der zweiten Augustwoche in S.-W. auftauchen. Franzi erwägt ernsthaft, unseren Beruf ergreifen zu wollen, und Josef hat ihr gesagt, dass er ihr einen Praktikumsplatz freihalten wird, bis sie alt genug ist. Ich nehme an, dass ich das Haargel nicht in Doris‘ Haar einarbeiten kann, aber bei den beiden anderen dürfte es gehen.“
Doreen sagte: „Ja, das stimmt, und ich werde es bei Franzi einarbeiten.“ „Franzi, Gretl, kommt Ihr bitte mal“, rief Janine, nachdem sie eine Tube von dem neuen Haargel geholt und geöffnet hatte. Beide Frauen nahmen jeweils einen kleinen Klecks davon und arbeiteten es in die jeweiligen Schöpfe ein. Janine sagte zu den beiden Mädchen: „Okay, Franzi und Gretl. Dieses Haargel muss heute Abend unbedingt wieder ausgewaschen werden. Versteht Ihr, ausgewaschen und nicht nur ausgebürstet. Es dürfen keine Rückstände mehr davon im Haar verbleiben.“
Beide Mädchen nickten und Janine sagte jetzt: „Und nun seht Euch Doreen an, denn sie trägt die Frisur, von welcher ich versprochen hatte, Euch zu erklären. Dies ist ein klassischer A-Liner, der mit dem Rasiermesser komplett ausrasiert wird.“ Und zu Doreen gewandt: „Liebe Cousine, darf ich dir deinen A-Liner ausrasieren?“ „Sehr gern“, war die erschöpfende Antwort. Nachdem Janine fertig war, konnte man die Bezeichnung „smooth as silk“ benutzen.
Janine wandte sich nun Franziska und Annegret zu und fragte: „Kommt Ihr heute noch am Elternhaus von Uschi vorbei oder eher nicht?“ „Wir haben Uschi versprochen, am Nachmittag nochmal vorbeizukommen, konnten aber keine Zeit sagen“, erwiderte Annegret. „Dann möchte ich Euch bitten, eine dieser Tuben bei ihr vorbeizubringen und der Mutter zu sagen, dass es die schädliche UV-Strahlung vom Haar abhält und etwas Linderung für die Kleine bringen sollte. Vergesst aber den Hinweis mit dem Auswaschen nicht.“
Die beiden Mädchen nickten, verabschiedeten sich und gingen hinaus. Auch Doris verabschiedete sich und folgte ihnen.
Auf dem Weg zu den Achtmeyers sagte dann Franziska zu Annegret: „Weißt du was, ich werde das Haargel über Nacht drin lassen. Ich teile dir dann morgen früh mit, welche Auswirkungen dies hatte.“
Da Uschi nicht mehr draußen war, beschlossen die beiden, bei den Achtmeyers zu klingeln. Chantal, die ihnen öffnete, war von dem Stolz und der Selbstsicherheit überrascht, welche diese noch sehr jungen Mädchen zur Schau trugen. Als sie die Informationen, die Janine ihnen gesagt hatte, weitergegeben hatten, verabschiedeten sich die beiden Mädchen und gingen nach Hause, um gerade noch rechtzeitig zum Abendessen zu erscheinen.
Inzwischen hatte Janine ihre ehemalige Chefin gefragt, ob sie bitte Hand anlegen würde. Dies wurde ihr nicht verweigert und das Ergebnis war ein sehr kurzer, aber femininer, Pixie. Da es doch schon sehr spät war, beschloss Doreen, direkt von den Haberkorns nach Hause zu fahren. Die Gollwitzers würde sie erst in ihrem neuen Domizil besuchen.
Die Erste, welche am Donnerstag aufwachte, war Franziska, deren brettharte Haare sie am Weiterschlafen hinderten. Nach 15 Minuten hatte sie ihrem Haar den normalen Zustand wieder zurückgegeben und erzählte dies ihrer Mutter am Frühstückstisch. Dann bat Franziska darum, direkt nach der Schule zu Janine gehen zu dürfen, um ihr von diesen Erfahrungen zu berichten. Die Mutter war damit einverstanden.
Auch Annegret und Chantal erfuhren die Neuigkeiten. Der Vorfall um Uschi hatte auf dem Schulhof seine Runde gemacht, und so manches dunkelhaarige Mädchen erwog einen radikalen Entschluss. In der letzten Pause des Schuljahres wurde unter den 4 Freundinnen beschlossen, dass Franziska und Annegret Ute am Dienstagmorgen moralischen Beistand geben würden.
Nach der letzten Stunde ging Franziska in den Salon, um Janine ihre Erfahrungen mit dem Haargel mitzuteilen. Diese war zwar über den Bericht überrascht, sagte aber zum Schluss die berühmten Worte „Wer nicht hören will muss fühlen, Franzi“. Josef war am Vormittag nicht ganz untätig gewesen und hatte sich in seinem Fachmarkt zwei Kindersitze (einen für seinen und einen für den Damenbereich) und auf Anraten von Doreen einen Kindermantel in orange gekauft. Er beschloss, den Hochstuhl nur noch für Kinder im Vorschulalter zu benutzen.
Es war 17.30 Uhr, als Chantal freudestrahlend den Salon betrat. Als sie Janine sah, ging Chantal zu ihr hin und umarmte Janine ohne Vorwarnung. Nach kurzer Zeit löste Chantal diese Umarmung und sagte: „Ich will dir für eine über alle Maßen fröhliche Tochter danken und dich zugleich um die Namen der Mädchen bitten, die uns das Haargel vorbeigebracht haben.“
Janine erwiderte: „Die Rothaarige heißt Franziska Wagner und die Blondine Annegret Achthuber und deren beiden Mütter sind im Elternbeirat der hiesigen Grundschule. Allerdings wollen die beiden mit Franzi und Gretl gerufen werden, und ich werde jetzt Josef holen, damit er es auch erfährt.“
Kurze Zeit später saßen die drei gemütlich im Damenbereich beisammen und Chantal erzählte: „Zunächst schrieb ich Uschis Verhalten der Enttäuschung über den nichterhaltenen Haarschnitt zu, denn sie war fast nicht dazu zu bewegen, wenigstens für kurze Zeit hinauszugehen. Sie lebte dann ein bisschen auf, als die beiden Mädchen das Haargel vorbeibrachten. Leider mussten die beiden gleich wieder gehen und Uschi fiel in ihre alte Lethargie zurück.
Franzi kam heute früh zu mir und erzählte, was mit ihren Haaren passiert war. Danach war ich zwar ein bisschen skeptisch, habe es bei Uschi jedoch eingearbeitet. Die Kleine blieb dann die ganze Zeit draußen, sodass ich sie zum Mittagessen hereinholen musste.
Als das Essen vorbei war drückte sie mir ein Küsschen auf die Wange. Ich sagte ihr, dass sie wegen der großen Hitze im Haus bleiben sollte und dass wir am Nachmittag Gäste hätten.
Diesen beiden Frauen hat sie dann von ihrem Haarschnitt erzählt und auch nicht ausgelassen, dass sie eigentlich einen kurzen Stiftenkopf haben wollte, und dass sie nach kurzer Zeit draußen auch mit den kurzen Haaren Kopfschmerzen gehabt hätte, diese aber heute vollkommen weg gewesen wären und bei der Beschreibung ihres Haarschnittes hat sie dich als Tante Janine bezeichnet.“
Josef warf ein: „Du kannst deiner Tochter sagen, dass sie das weiterhin tun darf, und auch mich darf sie als Onkel Josef anreden.“ Chantal erwiderte: „Ich danke Euch vielmals dafür. Und nun hätte ich gerne gewusst, was dieses Haargel kostet.“ Josef antwortete: „Für dich kostet es nichts, da ich es als Eigenverbrauch abgeschrieben habe. Doch wenn ich es über die Ladentheke verkaufe, dann kostet es 8,95 DM. Vom gleichen Lieferanten habe ich auch eine Sonnenschutzcreme und eine Sonnenschutzmilch bekommen, die kosten jeweils 9,95 DM. Die beiden haben jeweils LSF 40, man kann also ziemlich lang in der Sonne damit bleiben.“
Chantal nickte verständnisvoll und sagte dann: „Nun wollte ich Euch noch mitteilen, dass Uschi meinen Widerstand, was ihre Wunschfrisur betrifft, komplett gebrochen hat. Vielleicht gelingt ihr das jetzt gerade bei Florian. Welche Möglichkeiten stehen ihr zur Auswahl?“ Janine erklärte: „Bei mir stehen ihr 10 und 7 mm zur Verfügung, bei Josef wären es 9 und 6 mm.“
Chantal fragte vorsichtig: „Wenn ich diesen Haarschnitt wählen würde, welche Länge würdest du mir empfehlen, Janine?“ „Dir würde ich eine Länge von 16 mm am Oberkopf und 10 mm für den Rest empfehlen“, sagte Janine.
Chantal stand auf, bedankte und verabschiedete sich, und ging nach Hause, wo Uschi auch den Widerstand ihres Vaters gebrochen hatte. Zwischen den beiden gab es dann ein längeres Gespräch, in dem beschlossen wurde, dass dieses Mal Vater und Tochter Partnerlook haben würden und Chantal den Vorschlag von Janine übernehmen würde.
Nachdem Florian Josef telefonisch vorgewarnt hatte, betraten die drei Achtmeyers am Freitagabend den Salon. Uschi hatte Freudentränen in den Augen, als ihr der orangefarbene Kindermantel angelegt wurde. Josef gab ihr ein Taschentuch, sodass Uschi ihre Tränen abwischen konnte. Dann setzte er sie in den Hochstuhl und fragte förmlich: „Nun, junges Fräulein, was darf ich für Sie tun?“
Uschi wunderte sich und fragte daher: „Warum so förmlich, lieber Onkel? Sage mir lieber, was du vorhast und ich sage dann dazu entweder ja oder nein.“ Josef erklärte: „Also, meine liebe Nichte, ich wollte dir einen sehr kurzen Stiftenkopf mit 6 mm Länge verpassen und ich wollte mit dem Oberkopf beginnen, sodass dieser Tag sehr lange in deiner Erinnerung bleibt.“
Er schaltete die Maschine ein und fragte „Bereit?“, doch die Freudentränen in Uschis Gesicht erübrigten eine Antwort. Josef drehte sich zu Florian um und der nickte, somit konnte Josef mit der ersten Bahn beginnen.
Josef arbeitete zügig, sodass er nach 5 Minuten fertig war. Josef reichte Uschi ein Handtuch, sodass sie sich ihr Gesicht trockenwischen und im Spiegel bewundern konnte. Nach den üblichen Abschlussarbeiten befreite er Uschi, zeigte ihr die Ansicht des Hinterkopfes und fragte lächelnd: „Nun Uschi zufrieden?“ Sie nickte, fuhr mit der Hand über ihren Kopf und sagte: „Sehr, sehr weich.“. Uschi küsste die angebotene Wange und wurde aus dem Hochstuhl gehoben.
Sobald Josef Uschi auf den Boden gestellt hatte, sagte er: „Nun lass dich von deiner Mutter bewundern und vielleicht erlebst du dort auch eine Überraschung, meine liebe Nichte.“
Uschi wechselte in den Damenbereich und was sie da sah, konnte sie nicht glauben. Dort war Janine dabei, den Oberkopf von Uschis Mutter auf 16 mm zu scheren. Es dauerte knapp 5 Minuten, dann hatte Janine die schulterlangen rotblonden Haare zu einer femininen Form ihres Haarschnitts reduziert.
Dann sagte Janine: „Haargel werde ich keines einarbeiten, da Ihr es in 2 Stunden wieder auswaschen müsst. Uschi, dich möchte ich vorwarnen, dass dein Vater Partnerlook mit dir bekommt. Und nun möchte ich Euch einen Zeitungsartikel zeigen, der so unglaublich ist, dass man es nicht glauben kann.“
Sie holte den Artikel und drückte ihn Chantal in die Hand, welche las:
Zopfwettbewerb einmal anders
Gesamte Schulklasse ließ sich einen Stiftenkopf verpassen
Wie wir aus sicherer Quelle erfahren haben, und uns durch zugesandte Fotos dokumentiert wurde, hatten sich die Eltern der Schulanfänger in unserem kleinen Nachbarort darauf geeinigt, den bis vor 1 guten Jahr laufenden Zopfwettbewerb (unsere Zeitung berichtete davon) einmal völlig umzukehren und ihren Kindern (15 Mädchen und 15 Buben) zu erlauben, sich einen Stiftenkopf (fast schon ein Klassiker unter den Haarschnitten) schneiden zu lassen.
Der Schuldirektor Jochen N. war so freundlich, unseren vor Ort gesandten Reporter in die Klasse zu bringen. Er hatte unserem Reporter in seinem Büro gesagt, dass es in dieser Klasse zwei gemischte Zwillingspärchen gibt, die den exakt gleichen Schnitt verpasst bekommen hatten. In der Klasse angekommen war unser Reporter sehr überrascht, dort 30 fröhliche Kinder mit Stiftenkopf zu sehen, die sich das ABC und das 1x1 beibringen ließen.
Auch von der Gleichheit der Schnitte an den zwei Zwillingspärchen konnte er sich überzeugen (Foto davon liegt auf Wunsch der Eltern bei uns im Archiv). Dann wurde er in den völlig neu gestalteten gemischten Salon gebracht, wo ihm die Inhaberin, Doreen S., mitteilte, dass sie und ihr Team auf die Montagsruhe verzichtet haben, um den Haarschnitt an den Kindern auszuführen. (Fotos ge)
Dann kam der Ruf von Josef: „Uschi, komm bitte, dein Vater ist fertig.“ Chantal stand auf und alle 3 gingen in den Herrenbereich. Trotz Vorankündigung trieb es ihr Tränen in die Augen. Ihr Onkel Josef hatte an ihrem Vater den exakt gleichen Haarschnitt ausgeführt. Chantal gab ihm dann den Zeitungsausschnitt und nach einer kurzen Prüfung sagte Florian: „Wenn das keine Zeitung wäre, dann würde ich es nicht glauben.“
Janine sagte, ein wenig Stolz in der Stimme: „Und ich war eine derjenigen, welche die Haarschnitte ausführten. Und mir wurde eine Sonderaufgabe zugewiesen, da sowohl Doreen als auch unsere Salonchefin die Aufgabe abgelehnt hatten. Doreen hatte den beiden Mädchen für ihre eigene Hochzeit einen Holländischen 3-Kronen-Zopf verpasst, sodass die beiden als Blumenmädchen fungieren konnten.
Die beiden hatten vorher so lange Haare, dass sie darauf sitzen konnten und die Mütter baten mich sie zu exakten Zwillingen ihrer Zwillingsbrüder zu machen. Den Vieren waren dann der Oberkopf auf 7 mm und der Seiten- sowie Hinterkopf auf 4 mm geschoren worden. Die Stiftenköpfe der anderen Mädchen waren jeweils 3 mm länger. Die vier behielten den Look volle zwei Schuljahre, bevor sich die Mädchen ihre Haare zu einem Pixie herauswachsen ließen. Am Ende der Woche hatten etwa 30 der Mädchen sowie alle Jungen der ersten beiden Klassen einen solchen Haarschnitt erhalten, und sie alle waren stolz darauf.
Nach der Salonübernahme hatte uns Doreen gesagt, dass es in ihrem Salon keine ungewollten Haarschnitte geben würde und solange ich dort war, ist es auch zu keinem Solchen gekommen. Und dies ist auch hier so.“
Nachdem die Achtmeyers (deren Reaktion waren offene Münder) bezahlt hatten, schloss dieses Mal Janine den Salon ab, sodass die Haberkorns in ihre Wohnung gehen konnten.
Nach dem Abendessen wurde beschlossen, dass sie Doreen einen Gegenbesuch abstatten würden. Die neu georderten Artikel hatten am Samstag reißenden Absatz gefunden, sodass nur noch ein Minimum der georderten Ware vorhanden war, also beschlossen sie, bei Bernd anzurufen. Nach dem zweiten Klingeln hob er ab:
„Friseurbedarf-Großhandel, Bernd M. am Apparat.“
„Hier spricht Janine Haberkorn und ich wollte mich für die sehr prompte Erledigung unseres Auftrages bedanken.“
„Gern geschehen.“
„Bin ich bei einer Zweitorder an die Mindestabnahme gebunden, oder ist auch weniger möglich?“
„Sobald die Mindestabnahme geordert wurde, ist auch eine kleinere Menge möglich.“
„Dann bestelle ich 5 Kartons von dem Haargel. Bei den beiden anderen Artikeln hätte ich gern jeweils 3 Kartons. Und dann hätte ich gerne gewusst, ob ich individuell bedruckte Umhänge bei Euch ordern kann. Und außerdem wollte ich wissen, ob deine Frau noch bei Euch arbeitet“?
„Ja, das tut sie, und wir haben inzwischen auch eine Maschine dafür.“
„Dann bitte ich sie um ein paar Vorschläge, allerdings das bayerische Wappen sollte überall dabei sein. Und dann wollte ich noch folgende Artikel bestellen.“
Sie gab eine Liste von Bestellnummern durch, die sich Bernd sorgfältig notierte.
Zum Schluss sagte er, dass diesmal keine telefonische Auftragsbestätigung erfolgen würde.
Am Dienstag trafen die Vorschläge ein und die beiden beschlossen, diese in einer ruhigen Stunde abzuarbeiten. Dass dies erst in der folgenden Woche der Fall sein würde, konnten die beiden da noch nicht ahnen.
Fortsetzung folgt
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